Johann Leon (ca. 1530–1597), testo; Heinrich Schütz, musica · Testo originale con distribuzione delle parti vocali
S1T: Ich hab mein Sach Gott heimgestellt,
er mach’s mit mir, wie’s ihm gefällt,
soll ich allhier noch länger leb’n,
nicht widerstreb’n,
seim Willen tu ich mich ergeb’n.
AT: Mein Zeit und Stund ist, wenn Gott will,
ich schreib ihm nicht für Maß noch Ziel,
es sind gezählt all Härlein mein,
beid groß und klein,
fällt keines ohn den Willen sein.
ATB: Es ist allhier ein Jammertal,
Angst, Not und Trübsal überall,
des Bleibens ist ein kleine Zeit,
voller Mühseligkeit,
und wer’s bedenkt, ist immer im Streit.
S1S2B: Was ist der Mensch, ein Erdenkloß,
von Mutterleib kömmt er nackt und bloß,
bringt nichts mit sich auf diese Welt,
kein Gut noch Geld,
nimmt nichts mit sich, wenn er hinfällt.
S2T: Es hilft kein Reichtum, Geld noch Gut,
kein Kunst noch Gunst, kein stolzer Mut,
fürm Tod kein Kraut gewachsen ist,
mein frommer Christ,
alles was lebet, sterblich ist.
S1S2AT: Heut sind wir frisch, gesund und stark,
bald morgen tot und lieg’n im Sarg,
heut blühn wir wie die Rosen rot,
bald krank und tot,
ist allenthalben Müh und Not.
AB: Man trägt eins nach dem andern hin,
wohl aus den Augen und dem Sinn,
die Welt vergisset unser bald,
sei jung oder alt,
auch unser Ehren mannigfalt.
S1S2ATB: Ach Herr, lehr uns bedenken wohl,
dass wir sind sterblich allzumal,
auch wir allhier kein Bleibens han,
müssen all davon,
gelehrt, reich, jung, alt oder schön.
S1A: Das macht die Sünd, o treuer Gott,
dadurch ist komm’n der bittre Tod,
der nimmt und frisst all Menschenkind,
wie er sie findt,
fragt nicht, wes Stands od’r Ehr’n sie sind.
S1T: Ich hab hie wenig guter Tag,
mein täglich Brot ist Müh und Klag,
wann mein Gott will, so will ich mit
hinfahrn im Fried,
sterben ist mein G’winn und schadt mir nicht.
S2A: Und ob mich schon mein Sünd anficht,
dennoch will ich verzagen nicht,
ich weiß, dass mein getreuer Gott
für mich in Tod
sein liebsten Sohn gegeben hat.
S1B: Derselbig mein Herr Jesu Christ
für all mein Sünd gestorben ist,
und auferstanden mir zu gut,
der Höllen Glut
gelöscht mit seinem teuren Blut.
ATB: Dem leb und sterb ich alle Zeit,
von ihm der bittre Tod mich nicht scheid’t,
ich leb oder sterb, so bin ich sein,
er ist allein
der einig Trost und Helfer mein.
S1S2ATB: Das ist mein Trost zu aller Zeit,
in allem Kreuz und Traurigkeit,
ich weiß, dass ich am jüngsten Tag
ohn alle Klag
werd auferstehn aus meinem Grab.
S1T: Mein lieber frommer, g’treuer Gott
all mein Gebein bewahren tut,
da wird nicht eins vom Leibe mein,
sei groß oder klein,
umkommen noch verloren sein.
AT: Mein lieben Gott von Angesicht
werd ich anschaun, dran zweifl ich nicht,
in ew’ger Freud und Herrlichkeit,
die mir bereit,
ihm sei Lob, Preis in Ewigkeit.
S1S2: O Jesu Christe, Gottes Sohn,
der du für uns hast g’nug getan,
ach schleuß mich in die Wunden dein,
du bist allein
der einig Trost und Helfer mein.
S1S2ATB: Amen, mein lieber, frommer Gott,
bescher uns all’n ein sel’gen Tod,
hilf, dass wir mögen allzugleich
bald in dein Reich
kommen und bleiben ewiglich.
Johann Leon (um 1530–1597)